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Der weise chinesische Philosoph Konfuzius, 551-479 v.Chr., prägte den Ausspruch „Der Retter eines Menschen ist größer als der Bezwinger einer Stadt“, und um die Jahrhundertwende 1800/1900 mahnten in allen Kulturstaaten die Todesbilanzen an den Gestaden der Meere, Seen und Flüsse die menschliche Gesellschaft vor dem Ertrinkungstod.

England, Deutschland, Frankreich und Italien gründeten die ersten Rettungsorganisationen in Europa. Nach dem Ersten Weltkrieg folgten auch Binnenländer wie Österreich diesem Beispiel, doch kam man dabei vorerst über gewisse Ansätze nicht hinaus. Diese erste österreichische Neugründung wurde zwischen 1938 und 1945 in die deutsche Lebensrettungsgesellschaft aufgenommen.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges brachte Österreich zwar die lang ersehnte Eigenstaatlichkeit wieder, doch fand der Wasser-Rettungsgedanke nicht gleich eine Erneuerung. Der nasse Tod hatte vorerst freie Bahn.

Nur ein Experiment blieb der erste Versuch im Jahre 1955, wieder eine Österreichische Wasserrettung zu gründen. Der Ruf aus Innsbruck verhallte zuerst einmal ungehört, da die wirklichen Rettungsschwimmer-Experten der Gründungseinladung fern geblieben waren. Aber damit war der erste Schritt zur heutigen Tiroler Wasserrettung getan. Am 16. März 1957 wurde der Ruf aus Tirol realisiert, und es kam zur Gründung der Österreichischen Wasserrettung in Linz.


Im gleichen Jahr wurde Prof. Proksch von der damals gegründeten Bundesleitung der ÖWR ersucht, den Aufbau in Tirol zu organisieren.

Die ersten Ausbildungen erstreckten sich zum Großteil auf Sportstudenten, und es war die Zeit der Tiroler Sportschwimmer, die das Rad angeworfen haben. Bekannte Namen aus dem Kampfschwimmerlager, wie Prof. Günther Pajek, Franz Goller, Edi Perle und Hans Ritzl, der auch Europameister im Kleiderschwimmen wurde, zählten zu den Pionieren der Tiroler Wasser-Rettung.

Die erste Einsatzstelle – Sitz der Organisation – entstand im damaligen Solbad Hall, übersiedelte danach nach Zirl und anschließend nach Innsbruck, wo erstmals Fuß gefasst wurde.

Zu den tragenden Säulen am Anfang der Tiroler Wasserrettung zählten außer den Sportschwimmern OB.-Phys.-Rat Dr. Fritz Dullnig, Erich Thaler, Walter Kluge, Klaus Gadner, Dr. Gernot Zimmer und Kurt Greiderer, auch Rizzei, Woynarowiz, Mandletz und Hofrat Dr. Adolf Platzgummer.

1962 bereitete Dr. Dullnig die Anmeldung eines selbständigen ÖWR-Vereines in Tirol vor. 1963 wurde Kurt Greiderer der erste Landesleiter der Tiroler Wasser-Rettung. In diese Zeit fällt auch die Gründung des Tiroler Rettungstauchwesens, das im Verlauf der Jahre von Siegfried Kleissl, Hans Schwenninger, Ing. Hans Steiger, Hermann Schuster, Ing. Martin Galloner und Stefan Steuerer zu höchsten Leistungen geführt wurde.

Ende der sechziger Jahre entstand in Kitzbühel die zweite Hochburg der Tiroler Wasser-Rettung. In diese Zeit fällt auch die Missionierung des Landes Tirol, die zu 22 selbständig wirkenden Einsatzstellen führte.


Diese Zeit ist untrennbar mit dem Namen Herbert Menz verbunden, der auch die erste Unterwasserfernsehanlage ankaufte.

Über zwei Jahrzehnte führte MR. Doz. Dr. Gernot Helweg die Tiroler Wasser-Rettung. In dieser Zeit wurden viele Kameradinnen und Kameraden für ihre Leistungen für die Allgemeinheit für Einsätze und Lebensrettungen mit öffentlichen und Bundesauszeichnungen bedacht. Durch eine breite Ausbildung ist ein großer Teil der Tiroler Bevölkerung nicht nur der Fähigkeit des Schwimmens, sondern auch des Rettungsschwimmens kundig gemacht worden.

Besondere Aufmerksamkeit wurde der Ausbildung der Kinder und Jugendlichen gewidmet.

1978 trat die ÖWR-Tirol dem „Kuratorium für Rettungswesen im Land Tirol“ bei, und es erfolgte eine zügige Ausstattung der Einsatzstellen mit den für den Katastrophendienst notwendigen Materialien und Geräten.

Dies war nur möglich, da der damalige verantwortliche Referent im Amt der Tiroler Landesregierung, Hofrat Dr. Anton Schimpp, die Notwendigkeit der Tiroler Wasserrettung klar erkannte.

Besonders bemerkenswert ist, dass Dr. Helweg die zukünftige Entwicklung im Wildwassertourismus erkannte und schon sehr früh die Weichen für den Auf- und Ausbau einer bestens ausgebildeten Wildwassergruppe stellte, die jetzt Europa weit die Nummer 1 ist.

In diese Zeit fallen auch die verschiedenen medizinischen Fortbildungsseminare der Universitätsklinik Innsbruck mit höchster Qualität und internationalen Referenten, die Kontakte, Besuche und Ausbildungsreisen der Tiroler Retter zur Forschungsanstalt der DLRG in Berlin, zum Schifffahrtsmedizinischen Institut in Kronshagen, zur Bundesmarine in Kiel und Wilhelmshafen, zur Deutschen Lebensrettungsgesellschaft für Schiffbrüchige, usw., die den Standard der Tiroler Wasser-Rettung entscheidend hoben.

In diesen Jahren wurden auch von der Klinik Innsbruck durch Univ. Prof. Franz Gerstenbrand und Univ. Doz. Dr. Pallua, Meilensteine in den Erkenntnissen der Tauchmedizin gesetzt.

Der frühe und unerwartete Tod von Landesleiter MR. Univ. Doz. Dr. Gernot Helweg war für die Tiroler Wasserrettung ein schwerer Verlust, und er konnte das von ihm angestrebte Ziel, den Generationenumbruch des Führungsteams nicht mehr verwirklichen.

Bis zu den fälligen Neuwahlen führte Helmut Müller die Organisation, eine Zeitspanne, in der man sich neu organisieren und Fuß fassen musste.

Die Jahreshauptversammlung 2004 wählte als Landesleiter Hermann Schuster an die Führungsspitze, und man bemüht sich seitdem, die Tiroler Wasserrettung neuzeitlich zu organisieren, den Generationenumbruch durchzuführen und das vorgenannte Ziel von MR. Univ. Doz. Dr. Gernot Helweg zu verwirklichen.